1. Situationsanalyse
1.1 Vor der Wahl – Die Wählerforschung
Zwei repräsentative Umfragen, durchgeführt durch die Forschungsinstitute Info GmbH Berlin und Steffen Twardowski GmbH, sollten die Grundlage für den Wahlkampf 2006 bilden. Doch durch die kurze Wahlkampfphase konnte nur eine der beiden Umfragen im April 2005 realisiert werden. Aus diesem Grund war es auch nicht möglich die Dynamik der Linken im Sommer 2005 detailliert zu erfassen. Ebenso wurden die massiven Wirkungen bei der Wählerschaft, die die politische Bewegung der PDS und der WASG zeitweilig mit sich brachten, nicht berücksichtigt. Die Untersuchung bestand aus telefonischen Interviews (CATI), diversen Gewichtungen und dem RLD (Randomized Last Digit) Verfahren. Sie erfolgte bevor die Perspektive der Linkspartei.PDS mit ihren beiden Spitzenkandidaten Realität wurde und wurde in enger Zusammenarbeit mit dem Wahlquartier vorbereitet. Ziel war es, PDS - nahe Potenziale zu identifizieren. Es galt, die Wählerschaft nach wesentlichen politischen, sozialen und kulturellen Denk- und Verhaltensweisen zu charakterisieren und auf dieser Grundlage eine Segmentierung innerhalb der Wählerschaft vorzunehmen. Des Weiteren sollten Hinweise gegeben werden, mittels welcher Wahlstrategie diese Potenziale erschlossen werden könnten. Die präzise Beschreibung der Potenziale in dieser Studie behielt ihre Bedeutung bis zum Wahltag. Die Ergebnisse waren für die letztendliche Fixierung der Wahlstrategie ebenso bedeutsam, wie auch für die Entscheidung über die Wahlkampfthemen der Linkspartei. Darüber hinaus wurde die Studie zur Entwicklung der Werbekampagne eingesetzt.
Zusätzlich untersuchte man drei Berliner Direktwahlkreise spezieller, um für diese Bezirke eine Konzipierung der Wahlkämpfe durchführen zu können.
1.2 Die Kampagnen der anderen Parteien aus Sicht der Linkspartei
In einer interne Analyse beschrieb die PDS die Situation und wahrscheinlichen Strategien der konkurrierenden Parteien. Wesentliche Erkenntnisse /Annahmen waren:
SPD
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Herausforderer,
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Argumentativ gegen Angriffsflächen der CDU (Wirkung des Auftretens von Merkel, Schönbohm, Stoiber sowie einige programmatische Aussagen z.B. Erhöhung der Mehrwertsteuer),
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Hat jedoch als einzige Partei ein Mobilisierungsproblem,
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Großflächenwerbung thematisiert diffuse Aussagen der Union und stellt eigene Positionen heraus (z.B. Friedenspolitik, keine Studiengebühren),
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Personenwahlkampf der Direktkandidaten,
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In späterer Phase Setzen auf Popularität Schröders, und
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Schicksalwahlkampf (DIE oder Wir).
CDU
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Nach sicher geglaubtem Sieg plötzlich in der Rolle des "Gejagten",
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Zunächst Negativ-Kampagne gegen Regierungsparteien,
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Heftige persönliche Angriffe gegen den Bundeskanzler Schröder,
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Postulieren des eigenen Regierungsanspruchs (Wir können es besser),
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Personalisierter Wahlkampf mit Merkel,
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In späterer Phase JA-Themen, jedoch unscharf formuliert,
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Weniger wirklich konservativ, eher liberal-programmatisch.
FDP
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Interne Probleme mit Leitfigur Westerwelle, dennoch personalisierter Wahlkampf,
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Machtanspruch auf Regierungsbeteiligung wird thematisiert,
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Die FDP als Additiv und Korrektiv zur Union,
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Slogan "Mehr" (mehr FDP - mehr Arbeit, etc.),
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Gestus "radikal liberal",
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Zweitstimmenkampagne.
Bündnis 90/Die Grünen
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Thema: "klassische" grüne Politikfelder,
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Anspruch Weiterzuregieren,
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Additiv und Korrektiv zur SPD,
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Später: Plakate mit Fischer,
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Gestus: "radikal modern".
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Autoren: Christian Reipen, Antje Wiedmann
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